Bernhard Heiliger – Die Köpfe

Anlässlich des 85. Geburtstages von Bernhard Heiliger hat die Bernhard-Heiliger-Stiftung eine Ausstellung seiner berühmten Werkgruppe der Kopfporträts organisiert, die am 12. November 2000 im Berliner  Georg-Kolbe-Museum  eröffnet wurde, wo sie bis zum 28. Januar 2001 zu sehen war.

Weitere Stationen:
Von der Heydt-Museum in Wuppertal (18. Februar bis 22. April 2001), Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg (02. Mai bis 15. Juli  2001), Edwin Scharff-Museum in Neu-Ulm (29. Jui bis 21. Oktober 2001) Museum Ostdeutsche Galerie in Regensburg (18. November 2001 bis 15. Januar 2002) und Hirschwirtscheuer Museum für die Künstlerfamilie Sommer in Künzselsau (24. Januar bis 24. März 2002).

Zur Ausstellung erschien ein von Marc Wellmann herausgegebenes, reich illustriertes Katalogbuch mit Aufsätzen von Manfred Schneckenburger, Ursel Berger, Jürgen Fitschen und Iring Fetscher, das ausführliche biographische Informationen zu den Dargestellten und ein Verzeichnis sämtlicher Köpfe enthält:
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Neben seinen freien Arbeiten schuf Heiliger eine Serie von Porträtköpfen, die zu den eindrucksvollsten Werken ihrer Gattung zählen. Die zeitgemäße Aufgabe, den Darzustellenden möglichst treffend zu charakterisieren und zugleich ein autonomes Kunstwerk zu schaffen, fand eine erstaunliche Bewältigung. Heiligers neuartige individuelle Auffassung umging die konventionelle Abbildlichkeit und schuf eine lebendige Einheit von genauester physiognomischer Prägnanz und gleichzeitiger formaler Freiheit. Will Grohmann war einer der ersten, der Heiligers Leistung bewunderte. Über den Kopf des Hochschuldirektors und Malers Karl Hofer schrieb er 1951: „Er ist von einer entwaffnenden Ähnlichkeit und gleichzeitig ganz und gar plastisch. Wie Heiliger das zuwege gebracht hat, ist rätselhaft.“ Das Werk wurde von mehreren Museen gekauft und brachte Heiliger schlagartig öffentliche Anerkennung, die bis heute mit seinen Köpfen verbunden ist. Man feierte ihn als »Erneuerer des Porträts in der Plastik«, dem die Verschmelzung scheinbar widersprechender künstlerischer Ansätze gelang.

Die Porträtierten waren größtenteils mit Heiliger befreundet. So finden sich darunter Kunstschaffende (Karl Hofer, Alexander Camaro, Boris Blacher, Walter Gropius), Schauspieler (O. E. Hasse, Ernst Schröder), Kunstwissenschaftler (Karl Ludwig Skutsch, Christian Adolf Isermeyer, Kurt Martin, Graf Philippe d’Arschot), Autoren (Hans Blüher, Martin Heidegger), Sammler (Ehepaar Schniewind, Markus Kruss), Tänzerinnen (Dore Hoyer, Katherine Dunham) sowie Freundinnen und Ehefrauen. In vier Fällen hat Heiliger Aufträge aus der Politik und der Wirtschaft angenommen (Ernst Reuter, Theodor Heuß, Ludwig Erhard sowie Heinrich Nordhoff). Fast alle Köpfe sind ausschließlich aus dem Interesse an der Spiegelung eines Charakters entstanden, wenn Heiliger ein besonders einprägsames Gesicht begegnete, das seiner Formenwelt entsprach. Leicht hätte Heiliger, der von zahlreichen Personen bedrängt wurde, sie zu verewigen, diese Serie zu einer Prominentengalerie der 50er und 60er Jahre ausbauen können. Doch letztlich war seine Sicht zu individuell, zu weit von Repräsentation und offizieller Ikonisierung entfernt.  Er verzichtet auf expressionistische Elemente, auf Pathos und übersteigerung und umging stets die gefährliche Klippe zur Karikatur, an der ein so prägnant arbeitender Künstler leicht scheitern kann. Heiliger arbeitete zudem völlig unschematisch. Das Individuelle der Physiognomie bestimmte die jeweilige Technik. Durch die künstlerische Einfühlung in unterschiedliche Persönlichkeiten entstand so ein abwechslungs- und erfindungsreiches Werk, das die Gesichter einer Epoche versammelt.

Ein Teil von Heiligers Kopfplastiken wurde erstmals 1956 von Karl Ludwig Skutsch in einer Ausstellung im Berliner Haus am Waldsee mit weiteren Stationen in Westen Deutschlands als gesonderte Werkgruppe vorgestellt. Im Vorwort des Kataloges gibt Skutsch zu bedenken, dass Heiligers Hauptinteresse auf ganz anderem Gebiet liege, doch seien die Köpfe „verglichen mit der Porträtauffassung der älteren Generation […] ein so überzeugender neuer Beitrag, daß eine Sonderausstellung dieser Seite seines Schaffens ihren Platz verdient.“ Unter dieser Perspektive ermöglichte nach über vierzig Jahren und erstmals nach dem Tod des Künstlers die Wanderausstellung von 2000 bis 2002 die komplette Rückschau auf Heiligers Köpfe. Angefangen mit noch realistisch aufgefassten frühen Beispielen führte die Schau zu den abstrakten Figurenköpfen der späten vierziger Jahre. Quasi als Synthese dieser beiden Ansätze stand im Zentrum dann die Serie der Porträtköpfe, die im Zuge der Recherche zur Ausstellung um mehrere bisher unbekannte Stücke erweitert wurde.

Weitere Informationen zur Ausstellung:
www.georg-kolbe-museum.de