Zazzaro Otto

Stipendium im Jahr: 2018

geboren 1988 in Sassuolo, Italien
2016 Meisterschüler, UdK Berlin, Prof. Katja Strunz
2013 Studium an der UdK Berlin, Prof. Katja Strunz
2010 Studium an der Universität der Künste, Berlin, bei Prof. Karsten Konrad

11.-14.09.2020
Intervention Zazzaro Otto im Kunsthaus Dahlem
„Es wäre nicht passiert …“

Zazzaro Otto erhielt das Bernhard-Heiliger-Stipendium 2018 und präsentiert eine Auswahl seiner Werke im Kunsthaus Dahlem. Seine künstlerische Praxis reicht von selbst erschaffenen Gebilden, Maschinerien und fantastischen Fahrzeugen, die aus re- und dekonstruierten Objekten neu zusammengesetzt werden, bis hin zu Videoarbeiten und Fotografien.

Motiviert von der Familiengeschichte referiert der in Italien aufgewachsene Künstler sowohl auf vergangene wie auch auf aktuelle gesellschaftliche und ideologische Kämpfe und Phänomene. Immer wieder setzt er sich mit der Funktion und der ikonografischen Wirkung von historischen Symbolen und Zeugnissen in der Gesellschaft auseinander, hinterfragt deren An- und Abwesenheit und die Möglichkeiten von Erinnerungskulturen.

Gibt es eine Richtlinie für die Auswahl, ob eine Statue zu Fall gebracht wird oder nicht? Ist es eine politische Entscheidung? Oder eine ästhetische? Ist es eine moralische Pflicht? Wenn wir uns entschließen, die Spuren abgelehnter Ideologien zu beseitigen, welchem ​​Kriterien folgen wir dann?

Es geht in meiner Arbeit nicht darum, Antworten auf diese Fragen zu definieren, sondern darum, sie zu erforschen. Ich arbeite oft mit historischen Materialien und mit traditionellen Handwerkstechniken. Über das Weglassen, Entfernen, Manipulieren und Rekonstruieren transformiere und entkontextualisiere ich Objekte und Symbole, um so die Fragen und das historische Bewusstsein lebendig zu halten und dem Betrachter neue Perspektiven in der Auseinandersetzung zu eröffnen.

Die Beschäftigung mit der Architektur des zwischen 1938 und 1942 von Hans Freese entworfenen ehemaligen Staatsateliers für Arno Breker bewegte Zazzaro Otto dazu, den Diskurs um die Geschichte des Baus neu aufzunehmen und eine Installation für den Außenbereich des Kunsthaus Dahlem zu entwickeln. Zazzaro Ottos Frakturschriftzug – eine zeitweise von den Nationalsozialisten präferierte Schrifttype – „Lorem Ipsum, Dolor Sit Amet“ leuchtet über dem vorderen und dem hinteren Eingang des Hauses. Die Worte markieren den Anfang eines Blindtextes, den Grafiker nutzen, um einen Text visuell in ein Layout einzubetten. Inhaltlich laufen sie jedoch ins Leere. Eine Leerstelle, mit der Zazzaro Otto auf die Abwesenheit der historischen Symbole und Zeugnisse an einem Haus aufmerksam macht, an dem äußerlich nur die monumentale Architektur mit seiner klaren Formensprache an seine Ursprünge erinnern lässt.

Der mahnende Charakter der Arbeit legt einen wunden Punkt der gesellschaftlichen Vergangenheitsbewältigung offen und erinnert mit ironischer Ernsthaftigkeit an die Fragilität von historischem Bewusstsein.

Weitere Informationen:

Intervention Zazzaro Otto_Press Kit

zazzarootto.com

 

Fotos: Jan Brockhaus